«Meine Snowboards sind jetzt Kunst und Hoffnungsträger – welche Ehre!»
Herr Podladtchikov, wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Projekt?
Die Geschichte begann vor über 10 Jahren in den Gedanken einer lieben Freundin, der Architektin Christine Binswanger von Herzog & de Meuron. Damals plante sie den Neubau des Kinderspitals Zürich und fragte mich, ob ich nicht alte Snowboards herumstehen hätte, die ich dem Kispi spenden würde. Die Idee dahinter: Meine Bretter sollten von der renommierten Künstlerin Nairy Baghramian aus Berlin in Sitzbänke verwandelt werden. Ich war begeistert und sofort dabei!
Wie ist es für Sie, Ihre Boards verwandelt zu sehen?
Ich fühle mich geehrt und freue mich über die Kreation und ihre Wirkung. Denn Kunst hat manchmal etwas Elitäres: Oft sind es Objekte hinter einer Glasscheibe, die man nur aus der Distanz anschauen darf. Auch geschichtsträchtiges Sportequipment landet bestenfalls im Museum. Christine Binswanger und Nairy Baghramian haben meinen Brettern jedoch neues Leben eingehaucht. Sie sind jetzt Bänke zum Sitzen, Spielen, Rumklettern. Das gefällt mir. Nun tragen sie mehr als nur Erinnerungen – sie tragen Lebensgeschichten und schenken Hoffnung.
Warum bedeutet Ihnen dieses Projekt so viel?
Nairy Baghramian ist eine atemberaubende Künstlerin und Christine Binswanger eine der bedeutendsten Architektinnen unserer Zeit. Für mein Olympiagold-Brett ist es ein traumhafter Platz hier am Kispi: Es ist nicht umringt von Laufschuhen in einem Sportmuseum, sondern von Werken weltbekannter Künstler wie James Turrell, Roman Signer oder Raphael Hefti, die ich sehr bewundere. Mit ihnen unter einem Dach zu sein ist toll.
Alle sechs Bänke sehen gleich aus – wie erkennt man Ihr olympisches Siegerbrett von 2014 aus Sotschi?
Gar nicht. Ich weiss selber auch nicht, welches es ist. Ich liess alle Bretter bewusst gleich übermalen, um die Spannung zu erhöhen. Sie waren auf jeden Fall alle in Sotschi am Start dabei.
Was möchten Sie den Kindern im Kispi mitgeben – als Sportler, Künstler und Mensch?
Im Sport erlebe ich ständig Rückschläge und war selber oft im Spital. Zuletzt musste ich nach einem Kreuzbandriss geduldig wieder an meinem Körper arbeiten. Neugier hilft mir, dranzubleiben und nicht aufzugeben. Noch wichtiger aber sind unsere Liebsten: Nichts gelingt im Alleingang. Wir brauchen einander – Menschen, die mittragen, helfen, ermutigen. Darum möchte ich allen tapferen Kindern und Jugendlichen viel Mut, Kraft und Zuversicht wünschen.