Eine Zeichnung eines Kindes, das in einer Lotusblüte sitzt und einen Vogel beobachtet
03.02.2026
Kinderschutz

Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle 2025: Die Zahl der gemeldeten Kindesmisshandlungen ist deutlich gestiegen

Die Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle des Universitäts-Kinderspitals Zürich hat 2025 einen deutlichen Anstieg der bestätigten Fälle von Kindesmisshandlungen verzeichnet. Insgesamt wurden 570 Fälle als bestätigt eingestuft. Dies entspricht einem Anstieg um 40 Fälle bzw. 7,5% gegenüber den 530 Fällen im Vorjahr.

Insgesamt betreute das Team der Kinderschutzgruppe und der Opferberatungsstelle am Kinderspital 732 Fälle; so viele wie noch nie. Geht beim Kinderspital eine Meldung über einen Verdacht ein, klärt das interprofessionelle Team zunächst ab, ob eine Gefährdung oder eine Misshandlung des Kindes vorliegt. Dies kann unterschiedlich erfolgen: In einigen Fällen reicht eine telefonische Beratung, in anderen ist eine vertiefte Abklärung oder eine stationäre Aufnahme des Kindes notwendig. Basierend auf den erhaltenen Hinweisen und den Resultaten der Überprüfungen werden die Fälle folgendermassen eingeteilt: sichere, unsichere oder keine Misshandlung oder Gefährdung.

In 570 von 732 Fällen lag entweder eine Straftat oder eine Misshandlung vor. In 110 Fällen liess sich der Verdacht weder bestätigen noch ausräumen. In solchen Situationen werden die betroffenen Kinder und ihre Familien engmaschig nachkontrolliert oder an weiterbetreuende Stellen wie Kinderärztinnen und -ärzte, Mütter- und Väterberatung oder Jugendhilfezentren zugewiesen. In 52 Fällen zeigte sich im weiteren Verlauf, dass keine Gefährdung oder Misshandlung vorlag, da sich die Verletzung als Unfall klären liess.

Grafik der Meldungen von (Verdacht auf) Kindsmisshandlung 2015 bis 2025

Die fünf Arten von Misshandlungen

Folgende fünf Kategorien werden international zur Klassifikation verwendet: 

  • Körperliche Misshandlung 
  • Sexueller Missbrauch 
  • Vernachlässigung 
  • Psychische Misshandlung 
  • Münchhausen-Stellvertretersyndrom 

Jeder Fall wird einer der fünf Kategorien zugeordnet, wobei die jeweils offensichtlichste Form der Misshandlung gewählt wird, da meist mehrere Misshandlungsformen gleichzeitig vorliegen. Zur Verdeutlichung ein Beispiel: Wenn ein Kind einen Knochenbruch durch körperliche Misshandlung erleidet, wird der Fall der Kategorie «körperliche Misshandlung» zugeteilt – auch wenn das Kind dabei zusätzlich psychisch betroffen ist. 

Ein Drittel aller Fälle am Kinderspital sind körperlich misshandelte Kinder 

2025 lag bei 231 der Fälle eine körperliche Misshandlung vor. Das Spektrum reicht von kleineren oberflächlichen Hautverletzungen bis hin zu schweren Fällen mit tödlichem Ausgang. Insgesamt hat sich die prozentuale Verteilung der fünf Kategorien im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. 

Grafischer Vergleich der gemeldeten Fälle von Kindsmisshandlungen 2024 und 2025
Grafik: Vergleich der Fälle von Kindesmisshandlungen 2024 und 2025

 

Die Kinderschutzgruppe und Opferberatungsstelle des Universitäts-Kinderspitals betreut schwerpunktmässig Kinder und Jugendliche, die im Spital stationär oder ambulant behandelt werden. Die stationären Fälle sind meist schwerwiegender und erfordern vertiefte Abklärungen. Oftmals handelt es sich dabei um Zuweisungen aus anderen Spitälern beziehungsweise aus anderen Kantonen. Im 2025 betraf dies 154 Kinder. Das bedeutet, dass beinahe jeder zweite Tag ein Kind wegen Misshandlungen im Spital aufgenommen wird.  

Das Team berät darüber hinaus Fach- und Bezugspersonen, die einen Verdacht auf Gefährdung oder Misshandlung äussern. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei in der Sensibilisierung und Weiterbildung. Dies erfolgt zu allen Formen von Misshandlungen sowohl spitalintern als auch extern, beispielsweise in Schulen oder Sozialzentren.

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