Nephrologie-Patientin Naila liegt auf einem Spitalbett im Kinderspital Zürich. Neben ihr liegt eine Plüsch-Niere und sie trägt einen grünen Gummihandschuh. Sie lächelt in die Kamera.
12.03.2026
Nephrologie

Der Anruf, der alles veränderte: Nailas Weg zu einer neuen Niere

Für die sechsjährige Naila ist das Spielen im Kindergarten heute das Normalste der Welt. Doch ihr Weg dorthin war lang: Geboren mit einer schweren Nierenerkrankung, prägten Sondenernährung, Dialyse und langes Warten die ersten Lebensjahre. Ein Porträt über ein starkes Mädchen, unermüdliche Eltern und das medizinische Netz, das die Familie durch die schwerste Zeit trug.

Sechs Jahre alt zu sein, bedeutet eigentlich mit Freundinnen und Freunden zu spielen und die Welt zu entdecken. Für Naila sah diese Welt lange Zeit anders aus. Ihr junges Leben war von Beginn an geprägt von grossen medizinischen Herausforderungen.

Naila kam mit einer angeborenen Nierenerkrankung zur Welt. Anstatt eines unbeschwerten Babyalltags bestimmten Sondenernährung, genaue Medikamentenpläne und konsequentes Symptommanagement das Leben der Familie.

Im Sommer 2024, kurz vor dem Kindergartenstart, verschlechterte sich Nailas gesundheitlicher Zustand zusehends. Ihre Nierenfunktion reichte nicht mehr aus, weshalb ein grosser Eingriff in ihren Alltag unumgänglich wurde: Sie benötigte von nun an eine Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse). Bei diesem Verfahren übernimmt das körpereigene Bauchfell die Funktion eines natürlichen Filters, um Giftstoffe und überschüssiges Wasser aus dem Körper zu transportieren – eine lebenswichtige Aufgabe, die Nailas eigene Nieren nicht mehr bewältigen konnten.

Ein Netz, das trägt: Mehr als nur medizinische Versorgung

Dass Familien eine solche Ausnahmezeit überstehen, liegt nicht nur an der rein medizinischen Behandlung, sondern an einem engmaschigen Sicherheitsnetz. Ein multidisziplinäres Team in der Nephrologie des Universitäts-Kinderspital Zürich begleitete Naila und ihre Eltern: Von der Ernährungsberatung über psychologische Unterstützung, der Spitalschule bis hin zur Pflegeberatung. Die Betreuung war individuell auf die Ressourcen und Bedürfnisse der Familie zugeschnitten.

Auch Kontinuität war entscheidend: Feste ärztliche und pflegerische Bezugspersonen gaben der Familie Halt und Orientierung. Doch die Fürsorge endete nicht an der Spitaltür. Die enge Vernetzung zwischen externen Partnern wie der Kinderspitex (Kispex) und den behandelnden Kinderärztinnen und Kinderärzten stellte sicher, dass Naila auch zu Hause optimal versorgt war. Gleichzeitig prüfte das ärztliche Team fortlaufend neue, innovative Behandlungsoptionen, um Nailas Situation zu verbessern.

Die entscheidende Wende

Rund sechs Monate nach Beginn der Dialyse trat die entscheidende Wende ein: Die Familie erhielt die erhoffte Nachricht, dass ein passendes Spenderorgan für Naila gefunden wurde. Danach musste alles sehr schnell gehen: Zwischen den letzten medizinischen Vorbereitungen im Kinderspital und dem Moment, in dem Naila schliesslich in den Operationssaal gebracht wurde, lag eine intensive Zeit des Wartens. Diese Stunden verlangten den Eltern noch einmal viel Kraft ab – ein Wechselbad der Gefühle aus elterlicher Sorge, Anspannung und der grossen Zuversicht auf einen Neuanfang.

Als Naila aus der Narkose nach der Transplantation erwachte, geschah etwas, das ihre Mutter bis heute tief bewegt: Das Mädchen wirkte nicht etwa erschöpft von dem grossen Eingriff, sondern im Gegenteil – wach, kraftvoll und voller unerwarteter Energie. In diesem Moment spürte ihre Mutter: Jetzt wendet sich das Blatt.

Das erste Jahr nach einer Transplantation ist selten einfach. Auch bei Naila gab es medizinische, emotionale und organisatorische Höhen und Tiefen. Doch heute, mit sechs Jahren, geht es ihr gut. Naila geht gerne in den Kindergarten, sie lacht und spielt mit ihren Freundinnen und Freunden und freut sich auf die 1. Klasse. Ein ganz besonderer Meilenstein kam im vergangenen Dezember dazu, als Naila stolze grosse Schwester wurde. Heute ist sie, ganz einfach, ein sechsjähriges Kind.

Nephrologie-Patientin Naila springt freudig durchs Spitalzimmer und jagt Luftblasen von der Spitalclownin Lumi.