«Die Verbindung von Praxis und Wissenschaft begeistert mich»
Frau Pachlopnik Schmid, wie verliefen die ersten Monate?
Jana Pachlopnik Schmid: Die ersten Monate waren intensiv und geprägt von vielen Gesprächen. Mir ist es wichtig, zuzuhören: Wo brauchen Forschende konkrete Unterstützung? Welche strukturellen Hürden bestehen? Und wie funktionieren die Prozesse an der Universität Zürich (UZH) im Alltag? Die hohe wissenschaftliche Qualität am Kinderspital war mir aus meiner bisherigen Tätigkeit als Ärztin und Leiterin des Diagnostik- und Forschungslabors bekannt. In der neuen Rolle habe ich zudem die Forschungsstärke weiterer Standorte vertiefter kennengelernt.
Welche Ziele möchten Sie für das Kinderspital erreichen?
Mein Fokus liegt auf der strategischen Unterstützung bei Fördermöglichkeiten, der Mitgestaltung von Berufungen sowie der weiteren Stärkung der Sichtbarkeit unserer Forschung innerhalb und ausserhalb der UZH. Die aktuell gewachsene Sichtbarkeit ist allerdings in erster Linie der wissenschaftlichen Exzellenz und Kreativität unserer Teams zu verdanken – nicht meiner Person.
Welche Rolle spielt Forschung für das Kinderspital und die Pädiatrie?
Forschung ist ein zentraler Bestandteil unseres Auftrags. Viele pädiatrische Erkrankungen sind selten und genetisch bedingt und können nur durch gezielte wissenschaftliche Arbeit verstanden und behandelt werden. Forschung ist auch eine Frage der Gerechtigkeit: Kinder haben ebenso ein Recht auf evidenzbasierte und innovative Therapien.
Noch immer sind viele Medikamente primär für Erwachsene zugelassen und bei Kindern nur unzureichend untersucht. Ohne gezielte pädiatrische Forschung bleiben diese Lücken bestehen. Ein universitäres Kinderspital ohne starke Forschung wäre langfristig weder medizinisch noch gesellschaftlich zukunftsfähig.
Wo sehen Sie die grössten Chancen in der medizinischen Forschung?
Grosse Chancen sehe ich in personalisierten Therapien, interdisziplinärer Zusammenarbeit und der Auswertung umfangreicher genomischer und klinischer Datensätze. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass mechanistische Fragestellungen im Zentrum bleiben. Daten allein erklären keine Krankheit – entscheidend ist das Verständnis biologischer Prozesse als Grundlage für gezielte Therapien. Für die Medizinische Fakultät der UZH sehe ich grosse Chancen in der konsequenten Förderung von Translation – die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkrete Anwendungen: neue Medikamente, inklusive Gentherapien, innovative Diagnostika bis zur Gründung von Spin-offs.
Was möchten Sie jungen Forschenden oder klinisch arbeitenden Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben?
Bleibt neugierig, pflegt Netzwerke und orientiert euch an inspirierenden Vorbildern. Gute Forschung entsteht selten allein. Es braucht Integrität, Ausdauer und den Mut zu ambitionierten Fragen. Gerade in der Pädiatrie können wir mit guter Wissenschaft sehr konkret etwas für Kinder und Familien bewirken.
Jana Pachlopnik Schmid
Seit 2010 leitet sie am Kinderspital Zürich eine eigene Forschungsgruppe, später übernahm sie die Abteilungsleitung und ist heute ausserordentliche Professorin sowie stellvertretende Leiterin des Departements 3 (Onkologie, Immunologie, Hämatologie, Stammzelltransplantation, Somatische Gentherapie).
Ihre Mission:
Sie möchte die Forschung des Kinderspitals auf Universitätsebene sowie in nationalen und internationalen Netzwerken sichtbarer machen und dadurch Talente, Kooperationen und Drittmittel gezielt stärken. Zugleich will sie das Kinderspital Zürich als zentralen pädiatrisch translationalen Forschungsstandort innerhalb der Fakultät und im Zusammenspiel mit weiteren universitären Standorten profilieren.