Jana Pachlopnik Schmid leitet am Kinderspital die Abteilung Immunologie.
04.08.2026
Forschung

«Die Verbindung von Praxis und Wissenschaft begeistert mich»

Prof. Dr. med. Dr. phil. nat. Jana Pachlopnik Schmid leitet am Kinderspital die Abteilung Immunologie. Die Medizinische Fakultät der Universität Zürich hat sie 2025 zur neuen Vizedekanin Forschung gewählt. Im Interview erzählt sie über ihre ersten Monate in der neuen Rolle und Chancen für die pädiatrische Forschung.

Frau Pachlopnik Schmid, wie verliefen die ersten Monate?

Jana Pachlopnik Schmid: Die ersten Monate waren intensiv und geprägt von vielen Gesprächen. Mir ist es wichtig, zuzuhören: Wo brauchen Forschende konkrete Unterstützung? Welche strukturellen Hürden bestehen? Und wie funktionieren die Prozesse an der Universität Zürich (UZH) im Alltag? Die hohe wissenschaftliche Qualität am Kinderspital war mir aus meiner bisherigen Tätigkeit als Ärztin und Leiterin des Diagnostik- und Forschungslabors bekannt. In der neuen Rolle habe ich zudem die Forschungsstärke weiterer Standorte vertiefter kennengelernt.

Welche Ziele möchten Sie für das Kinderspital erreichen?

Mein Fokus liegt auf der strategischen Unterstützung bei Fördermöglichkeiten, der Mitgestaltung von Berufungen sowie der weiteren Stärkung der Sichtbarkeit unserer Forschung innerhalb und ausserhalb der UZH. Die aktuell gewachsene Sichtbarkeit ist allerdings in erster Linie der wissenschaftlichen Exzellenz und Kreativität unserer Teams zu verdanken – nicht meiner Person.

Forschung ist auch eine Frage der Gerechtigkeit: Kinder haben ebenso ein Recht auf evidenzbasierte und innovative Therapien.
Prof. Dr. med. Dr. phil. nat. Jana Pachlopnik Schmid

Welche Rolle spielt Forschung für das Kinderspital und die Pädiatrie?

Forschung ist ein zentraler Bestandteil unseres Auftrags. Viele pädiatrische Erkrankungen sind selten und genetisch bedingt und können nur durch gezielte wissenschaftliche Arbeit verstanden und behandelt werden. Forschung ist auch eine Frage der Gerechtigkeit: Kinder haben ebenso ein Recht auf evidenzbasierte und innovative Therapien.

Noch immer sind viele Medikamente primär für Erwachsene zugelassen und bei Kindern nur unzureichend untersucht. Ohne gezielte pädiatrische Forschung bleiben diese Lücken bestehen. Ein universitäres Kinderspital ohne starke Forschung wäre langfristig weder medizinisch noch gesellschaftlich zukunftsfähig.

Wo sehen Sie die grössten Chancen in der medizinischen Forschung?

Grosse Chancen sehe ich in personalisierten Therapien, interdisziplinärer Zusammenarbeit und der Auswertung umfangreicher genomischer und klinischer Datensätze. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass mechanistische Fragestellungen im Zentrum bleiben. Daten allein erklären keine Krankheit – entscheidend ist das Verständnis biologischer Prozesse als Grundlage für gezielte Therapien. Für die Medizinische Fakultät der UZH sehe ich grosse Chancen in der konsequenten Förderung von Translation – die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkrete Anwendungen: neue Medikamente, inklusive Gentherapien, innovative Diagnostika bis zur Gründung von Spin-offs.

Was möchten Sie jungen Forschenden oder klinisch arbeitenden Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben?

Bleibt neugierig, pflegt Netzwerke und orientiert euch an inspirierenden Vorbildern. Gute Forschung entsteht selten allein. Es braucht Integrität, Ausdauer und den Mut zu ambitionierten Fragen. Gerade in der Pädiatrie können wir mit guter Wissenschaft sehr konkret etwas für Kinder und Familien bewirken.