Raphael Morscher erhält 2026 den internationalen Innovationspreis für Kinderkrebsforschung
07.05.2026
Forschung

Raphael Morscher erhält internationalen Innovationspreis: «Wir forschen daran, was Krebszellen essen.»

Am 6. Mai 2026 wurde das Universitäts‑Kinderspital Zürich mit dem Innovationspreis von FIGHT KIDS CANCER & St. Baldrick’s Foundation ausgezeichnet. Der Preis würdigt herausragende, innovative und wirkungsvolle Forschungsprojekte in der Kinderonkologie. Die Auszeichnung geht an Dr. Dr. med. univ. Raphael Morscher für sein Forschungsprojekt «Targeting Metabolic Vulnerabilities in Pediatric Cancers», das neue therapeutische Ansätze für die Behandlung von Krebserkrankungen im Kindesalter untersucht.

Bildlegende: Raphael Morscher, Leiter der Forschungsgruppe Kinderonkologie am Universitäts‑Kinderspital, erhält den Award überreicht von Delphine Heenen, Vorstandsmitglied von FIGHT KIDS CANCER und Gründerin der KickCancer-Stiftung in Belgien  

Interview: Eliane Burckhardt Pauli

Herzliche Gratulation an Raphael Morscher und sein Team zu dieser bedeutenden Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Arbeit. 

Herr Morscher, Ihr Forschungsprojekt heisst «Targeting Metabolic Vulnerabilities in Pediatric Cancers». Worum geht es dabei konkret?

Raphael Morscher: Wir untersuchen den Stoffwechsel in Tumoren, um neue Therapien für Kinder mit Krebs zu entwickeln. Vereinfacht gesagt forschen wir daran, was Krebszellen essen und wie wir dieses Wissen für die Entwicklung neuer Therapien nutzen können. Viele haben schon einmal davon gehört, dass man den Tumor aushungere. In Wahrheit ist es jedoch deutlich komplexer und erfordert hochauflösende Untersuchungen, um zu verstehen, wie diese Prozesse auf molekularer Ebene ablaufen. Hier stehen wir noch am Anfang. Unser Ziel ist es, ein Forschungsprogramm zu festigen, das im Bereich des Tumorstoffwechsels bei Kindern von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Anwendung reicht. Unsere Forschungsgruppe am Universitäts-Kinderspital Zürich arbeitet gemeinsam mit Kollaborationspartnern im internationalen Spitzenfeld. Der Innovationspreis ermöglicht es uns, neue Ideen und Erkenntnisse rasch umzusetzen – etwas, das mit klassischer Forschungsförderung oftmals nicht möglich ist.

Was bedeutet diese Auszeichnung persönlich für Sie und Ihr Team?  

Zuallererst sind solche Preise immer ein Teamerfolg. Ich durfte in den letzten Jahren eine Gruppe aufbauen, die hoch motiviert und wissbegierig diesen Erfolg mitträgt. So freuen wir uns gemeinsam über den Innovationspreis – ein Gütesiegel unserer Arbeit der letzten Jahre. Der Preis steht nicht nur für das Erreichte, sondern auch für eine Vision, die die Zukunft der Kinderonkologie verändern kann. Innovation heisst für uns, mit Erfindungsgeist konkrete Fortschritte für unsere Patientinnen und Patienten zu schaffen. Die Jury des Awards hat dieses Potenzial in unserer Arbeit gesehen. Das bestärkt uns auf unserem weiteren Weg.

Der Innovationspreis zeichnet besonders innovative Forschung aus. Was ist das Neue an Ihrem Ansatz?

Wir untersuchen den Stoffwechsel in Kindertumoren mit hochauflösenden Methoden. Das ist bereits eine Seltenheit. Der Stoffwechsel ist für Krebszellen essenziell, da er sowohl die Energieproduktion ermöglicht als auch die Bausteine für das Tumorwachstum bereitstellt. Neue Methoden in der Massenspektrometrie sowie der Einsatz stabiler Isotope erlauben uns, bisher nie dagewesene Erkenntnisse im Tumorstoffwechsel zu gewinnen. Auf dieser Grundlage können wir neue Therapien entwickeln. Unsere Arbeit baut darauf auf, die Funktion des Stoffwechsels für jeden einzelnen Patienten zu erforschen. Das bedeutet, dass künftig auch stoffwechselgerichtete Therapien personalisiert eingesetzt werden können. Das einzigartige Umfeld am Universitäts-Kinderspital Zürich macht es möglich, Brücken von der Grundlagenforschung in die Klinik zu bauen. So können unsere jungen Patientinnen und Patienten unmittelbar von diesen Innovationen profitieren. Es ist deshalb so wichtig, diese Untersuchungen gezielt bei Kindern durchzuführen, da sich Tumorarten grundlegend von Erwachsenentumoren unterscheiden. Mit unseren Methoden sind wir hier Vorreiter, sodass in Zukunft auch erwachsene Patientinnen und Patienten von unseren Ansätzen profitieren können.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit im Team bei einem Forschungsprojekt dieser Grössenordnung?  

Forschung ist durch und durch ein Teamsport. Bereits bei kleinsten Projekten ist eine gute Zusammenarbeit wichtig und wird umso wichtiger, je grösser die Aufgabe ist, der man sich stellt. Entsprechend arbeiten die Forscherinnen und Forscher in meinem Team stets eng gemeinsam an den Fragestellungen. Dies ist einerseits durch die Inhalte bedingt, die hochspezialisiertes Wissen aus unterschiedlichen Fachgebieten erfordern, und andererseits dadurch, dass die Arbeit in der Gruppe mit viel Freude und Motivation verbunden ist. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, mit einem Team zu arbeiten, das in der Sache hoch motiviert ist. Jeder ist neugierig, jeder brennt darauf, Neues zu entdecken. Wenn man in diesem Spirit zusammenarbeitet, ist das äusserst ansteckend.  

Wie kooperieren Sie mit anderen Forschungszentren?

Bei grossen Projekten wie diesem arbeiten wir intensiv mit lokalen Partnern in der Schweiz zusammen. Aufgrund der hohen Spezialisierung der Forschung ist unsere Zusammenarbeit jedoch international ausgerichtet: Viele unserer Partnerinnen und Partner sind in weiteren europäischen Ländern sowie in den USA und in Australien tätig. Die Zusammenarbeit mit führenden Spezialistinnen und Spezialisten weltweit, wie sie in solchen Netzwerken möglich ist, ist eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Forschungserfolge – zum Wohl unserer kleinen Patientinnen und Patienten und ihrer Familien.

Was wünschen Sie sich langfristig von Ihrer Forschung – für die betroffenen Kinder und für die Kinderonkologie insgesamt?

Es ist unser Ziel, am Universitäs-Kinderspital Zürich gemeinsam mit anderen Forschungsgruppen eine Umgebung zu schaffen, in der führende Innovationen für Kinder mit Krebs entstehen. Neue Forschungsergebnisse aus dem Labor sollen konsequent in die Weiterentwicklung von Diagnostik und Therapie im klinischen Alltag einfliessen. Forschung ist seit Jahrzehnten Teil der Kispi-DNA. Dennoch braucht es auch heute einen immensen Einsatz, um diesen Innovationsgeist aktiv zu leben, damit Kinder von neuen Therapien profitieren können. Um dies zu unterstützen, hat das Universitäts-Kinderspital kürzlich den nationalen Auftrag erhalten, den Forschungsschwerpunkt Kinderkrebs zu leiten (NCCR Children and Cancer). Das sind wichtige Entwicklungen, die Innovation ermöglichen und in denen das Kinderspital eine führende Rolle in der Schweiz einnimmt.

Was können alle dazu beisteuern?

Es liegt an uns allen, in der breiten Gesellschaft das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Krebs bei Kindern anders ist als bei Erwachsenen: andere Krebstypen, andere Ursachen, andere Therapien. Auch die Familien haben in dieser schwierigen Zeit besondere Bedürfnisse. Sobald dieses Bewusstsein in uns allen verankert ist, bin ich überzeugt, dass wir noch enger zusammenrücken, um gemeinsam Innovation zu leben.

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