08.00 – 11.30 Uhr
14.00 – 16.30 Uhr

Ein neugeborenes Kind ist wie der Anfang aller Dinge
– es ist Staunen, Hoffnung, Traum aller Möglichkeiten
(Eda LeShan)
Die Nachricht über eine Fehlbildung des Ungeborenen/Neugeborenen überrascht die Familien; Unklarheiten und Fragen treten auf, der Traum aller Möglichkeiten scheint manchmal fern.
Wir sehen es als unsere Aufgabe, die Familien menschlich und fachlich-kompetent in dieser Phase zu unterstützen. Durch unsere enge Vernetzung mit den Geburtshelfenden und Neonatologinnen und Neonatologen der umliegenden Spitäler und niedergelassenen Kinderärztinnen und Kinderärzten ist es uns möglich, die Familien zeitnah zu sehen, kompetent über die Erkrankungen zu informieren und, wenn nötig, eine Therapie in die Wege zu leiten.
Die Variabilität der Krankheitsbilder in der Säuglingsorthopädie ist sehr gross. Sie kann von einer leichten Fehlhaltung bis hin zu komplexen Veränderungen der Knochen und Gelenke im Rahmen einer Grunderkrankung reichen.
Nicht immer benötigt es eine Therapie. Ist diese notwendig, können durch das frühe Einleiten der Therapie Formbarkeit und Wachstum des Körpers genutzt werden. Hierfür können wir auf ein erfahrenes Team an Gipserinnen und Gipsern, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie Orthopädietechnikerinnen und Orthopädietechnikern zurückgreifen. Neben der konservativen Therapie können auch Operationen im jungen Alter notwendig werden. Die Betreuung erfolgt je nach Komplexität in engem Austausch und Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen team-intern und auch team-übergreifend mit anderen Disziplinen des Kinderspitals.
Unser Ziel ist es, den kleinen Patientinnen und Patienten individuell die Grundlage für eine bestmögliche motorische Entwicklung und Funktion des Bewegungsapparates mit auf den Weg geben zu können.
In unserer Säuglingssprechstunde an der Universitätsklinik Balgrist führen wir selbstständig den Hüftultraschall nach Graf durch und können, falls notwendig, direkt eine Therapie in die Wege leiten.
Die Therapie wird durch uns eingeleitet und begleitet und findet mittels Tübingerschiene, Pavlikbandage oder Beckenbeingips statt, je nach Befund.
Von 1000 Neugeborenen hat eines einen Klumpfuss. Dies ist somit eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen. Ungefähr bei der Hälfte der Betroffenen tritt ein Klumpfuss beidseits auf. Die Fehlbildung ist vererbbar. Jungen sind zudem häufiger betroffen als Mädchen.
Der Klumpfuss ist eine komplexe, dreidimensionale Fehlstellung und besteht aus mehreren
Komponenten: Mittel- und Vorfussfehlstellung, Hohlfuss und Spitzfuss. Da bei einem Kind mit Klumpfuss ein erhöhtes Risiko für eine Hüftreifungsstörung besteht, empfehlen wir, möglichst rasch auch einen Ultraschall der Hüfte machen zu lassen. Eine Röntgenaufnahme der Füsse ist in der Regel nicht notwendig, kann aber bei eingeschränkter Funktion oder zur Beurteilung einer erfolgten Behandlung hilfreich sein.
Wurde bei ihrem Kind bereits im pränatalen Ultraschall die Verdachtsdiagnose Klumpfüsse gestellt, beraten und informieren wir Sie gerne auch vor der Geburt in unserer Säuglingsorthopädie-Sprechstunde.
Grundsätzlich ist das Ziel beider Behandlungsmöglichkeiten ein normal aussehender, funktionell belastbarer und schmerzfreier Fuss. Eine konservative Therapie steht dabei an erster Stelle. Sie sollte möglichst früh beginnen.
Diese Therapie wird vom Ärzte-Team der orthopädischen Klinik des Kinderspitals Zürich durchgeführt.
Mit einem wöchentlich angelegten Gips mit Redression der Füsse (sanfte Manipulation) werden die Klumpfuss-Komponenten schrittweise korrigiert. Meistens werden hierfür, je nach Schweregrad, fünf bis acht Gipse benötigt. Der Spitzfuss ist in den meisten Fällen durch die Redression alleine nicht genügend korrigiert. Eine Durchtrennung der Achillessehne ist deshalb häufig im Anschluss an die Gipsredression notwendig. Diese erfolgt im Kinderspital Zürich mit der percutanen Technik, so dass keine grosse Narbenbildung störend zurückbleibt. Anschliessend erfolgt während drei Wochen eine erneute Ruhigstellung im Gips mit einem Gipswechsel nach zehn Tagen. Es können somit, bei richtiger Technik, sämtliche Füsse korrigiert werden.
Nach der Gipsbehandlung werden die Kinder in einer Abspreizschiene nachbehandelt. Die konsequente Nachbehandlung ist wichtig, um einen Rückfall (Rezidiv) zu vermeiden. Es wird empfohlen, die Schiene in den ersten 6 Wochen Tag und Nacht anzulegen. Bei gutem Verlauf kann dann die stufenweise Reduktion zur Nacht erfolgen (12 bis 14 Stunden). Insgesamt soll die Schiene mindestens bis einschliesslich des vierten Lebensjahrs zur Nacht als Rezidivprophylaxe getragen werden.
Diese Therapie wird von der Physiotherapeutin Frau Issler-Wüthrich und ihrem Team durchgeführt und vom Ärzte-Team der orthopädischen Klinik des Kinderspitals Zürich begleitet.
Die funktionell-manuelle Therapie nach Issler-Wüthrich basiert auf der funktionellen Therapie nach der Physiotherapeutin Frédérique Bonnet-Dimeglio. Es wurde durch die Zürcher Physiotherapeutin Ursula Issler-Wüthrich modifiziert. Unter der manuellen Behandlung werden die weichen Strukturen am Fuss aus ihren Verklebungen befreit. Anschliessend wird die Stellung der Füsse mittels Tape und Gipsschalen bis unterhalb der Knie fixiert. Während der ersten Monate finden die Physiotherapiesitzungen in der Regel drei- bis viermal in der Woche statt. Nach zwei bis drei Monaten erfolgt eine gemeinsame Kontrolle in der Orthopädischen Sprechstunde am Kinderspital Zürich. Gemeinsam mit den Eltern beurteilen wir der Verlauf und planen wenn nötig eine chirurgische Durchtrennung der Achillessehne (s. oben). Bei diesem Eingriff werden zusätzlich ein Tape und ein Oberschenkelgips für insgesamt drei Wochen angelegt (Wechsel nach 10 Tagen). Anschliessend wird die Therapie mit Taping und Gipsschalen ungefähr zweimal in der Woche bis zum Gehbeginn fortgesetzt. Nach Gehbeginn werden die Füsse am Tag mit einer speziellen Schuheinlage und in der Nacht mit einer Unterschenkel-Schiene versorgt. Auch diese werden in der Regel bis mindestens einschliesslich des vierten Lebensjahrs getragen.
Der kongenitale muskuläre Schiefhals ist eine relativ häufige angeborene einseitige Verkürzung des M. sternocleidomastoideus mit Schiefhaltung des Kopfes zur Seite des verkürzten Muskels und Rotation zur Gegenseite.
Primär steht die konservative Therapie mit Physiotherapie im Vordergrund. Nur in sehr seltenen Fällen ist eine operative Behandlung notwendig (nach dem 1. Lebensjahr).
Bei Verdacht auf angeborene Fehlbildungen der Wirbelsäule und/oder der Extremitäten ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Neurologinnen und Neurologen, Radiologinnen und Radiologen sowie den Spezialistinnen und Spezialisten des universitären Wirbelsäulenzentrums der Universitätsklinik Balgrist, Standard. Bei Bedarf werden behandelnde Physiotherapeutinnen und Orthopädietechniker in unserer Sprechstunde vereint um die bestmögliche Behandlung des Neugeborenen so früh wie möglich in die Wege zu leiten.
Zuweisungen nehmen wir gerne direkt über das Onlineformular, telefonisch
oder als E-Mail entgegen.