Hämatologie

Unsere Forschung reicht von der Grundlagenforschung bis zur klinischen Forschung. Dabei untersuchen wir Aspekte der Thrombosen, Thrombozyten-Physiologie, Hämoglobinopathien sowie die molekulare Regulation der fötalen Hämoglobin-Expression.

Unsere Forschung

​Idiopathische thrombozytopene Purpura (ITP)

Labor Parameter der ITP bei Kindern
Die idiopathische thrombozytopene Purpura (ITP) ist ein Autoimmun-Syndrom, das bei Kindern nach einer Virusinfektion autreten kann. Bei den meisten Kindern ist diese Erkrankung selbstlimitierend mit wenigen Blutungsereignissen und in der Regel gut mit intravenösen Immunglobulinen (IVIg) oder Steroiden behandelbar.

Ein kleiner Teil der Kinder entwickelt jedoch schwerere Blutungssymptome und/oder entwickelt einen chronischen Verlauf mit sehr niedrigen Thrombozyten-Zahlen über Jahre hinweg. Obwohl die klinische Präsentation der ITP bei Kindern gut beschrieben ist, sind die Ursachen und pathophysiologischen Mechanismen rund um die verschiedenen klinischen wie auch labor-medizinischen Phänomene eher schlecht verstanden.

Ausserdem ist es bisher nicht gelungen, Untergruppen der Erkrankung zu definieren und prognostische Parameter für das Auftreten schwerer Blutungen bzw. der Entwicklung der chronischen ITP vorherzusagen.

Förderung: SNF, Theodor und Ida Herzog Egli Stiftung, EMDO Foundation

Sichelzellanämie

​​Die Rolle der micorRNAs in der Sichelzellanämie
Die Sichelzellanämie (SCD) entsteht durch eine Mutation im Gen der beta-Kette des Hämoglobins, die zur Aneinanderlagerung von desoxygeniertem Hämoglobin, zur Hämolyse und zu Gefässverschlüssen führt. SCD-Patientinnen und Patienten leiden an rezidivierenden schmerzhaften vasookklusiven Krisen bis hin zu lebensbedrohlichen Gefässverschlüssen in der Lunge, der Milz oder im Gehirn (Hirnschlag).

Die Behandlung mit Hydroxyharnstoff führt bei einem Grossteil der Betroffenen zu einer Reaktivierung der Expression des fötalen Hämoglobins (HbF), welche zu einer Verminderung der klinischen Symptome führt. Jedoch wirkt Hydroxyharnstoff nicht bei allen Patientinnen und Patienten, und dessen Wirkmechanismen bei dieser Erkrankung sind wenig erforscht.

Wir konnten zeigen, dass die HbF-Expression durch microRNAs reguliert wird, und dass sich die microRNA-Muster während der Hydroxyharnstoff-Behandlung ändern. MicroRNAs sind kleine, nicht-kodierende RNA Moleküle. Sie blockieren die Translation durch eine sequenz-spezifische Anlagerung an die Ziel mRNA, was zu deren Abbau führen kann. Derzeit untersuchen wir die Rolle der microRNAs bei der Behandlung von SCD-Patientinnen und Patienten während der Hydroxyharnstoff-Behandlung.

Förderung: Roche Foundation for Anemia Research, EMDO Foundation, University of Zurich, Hartmann-Müller Foundation​

Seltene hereditäre Bluterkrankungen

Seltene hereditäre Bluterkrankungen stellen Betroffene, Familien und Fachpersonen vor besondere diagnostische und therapeutische Herausforderungen. In unserem Labor untersuchen wir genetische Varianten, die seltene Erkrankungen der roten Blutkörperchen sowie der Blutplättchen verursachen, mit dem Ziel, die molekularen Grundlagen besser zu verstehen und die Diagnostik für betroffene Kinder zu verbessern. 

Hereditäre Anämien durch SPTA1-Mutationen 
Hereditäre Anämien wie Sphärozytose und Elliptozytose sind seltene angeborene Erkrankungen der roten Blutkörperchen, die durch Mutationen in Genen des Erythrozytenmembranskeletts verursacht werden. Betroffene Kinder leiden häufig unter hämolytischer Anämie, Gelbsucht und einer vergrösserten Milz. Der klinische Verlauf kann sehr unterschiedlich sein – von milden, kaum bemerkten Formen bis hin zu schweren Verläufen, die regelmässige Bluttransfusionen erfordern. 
Die Diagnose dieser Erkrankungen stellt nach wie vor eine Herausforderung dar, insbesondere wenn seltene oder neuartige genetische Varianten vorliegen, deren Bedeutung nicht unmittelbar klar ist. In unserem Labor untersuchen wir solche Varianten mit modernen molekularen und zellbiologischen Methoden, um ihre Auswirkungen auf die Funktion der roten Blutkörperchen besser zu verstehen. Ziel ist es, die Diagnostik für betroffene Kinder und ihre Familien zu verbessern und langfristig zu einer gezielteren Therapieentscheidung beizutragen. 

Funktionelle Charakterisierung neuartiger Varianten des Thrombozyten-Integrins 
Die Glanzmann-Thrombasthenie ist eine seltene angeborene Erkrankung der Blutplättchen, bei der die Blutgerinnung trotz normaler Thrombozytenzahl erheblich gestört ist. Betroffene Kinder können unter wiederkehrenden, teils schweren Blutungen leiden, etwa aus Schleimhäuten, nach kleineren Verletzungen oder im Rahmen von Operationen. Die Erkrankung wird durch Veränderungen in einem wichtigen Oberflächenprotein der Thrombozyten verursacht, das für die Verklumpung der Blutplättchen im Rahmen der Blutstillung unerlässlich ist. In unserem Labor untersuchen wir eine neuartige genetische Variante, die einen Glanzmann-ähnlichen Krankheitsverlauf verursacht und bisher in der wissenschaftlichen Literatur nicht beschrieben wurde. Mithilfe von Zellmodellen und modernen molekularbiologischen Methoden möchten wir verstehen, wie diese Variante die Funktion der Thrombozyten beeinträchtigt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Diagnose seltener Blutungserkrankungen zu verbessern und betroffenen Familien eine fundierte genetische Beratung zu ermöglichen.

Unser Team